Inhalt:

Kenntnisreich und unterhaltsam schreibt der Autor, der 2009 für seine literarischen Verdienste um den Niederrhein den „Rheinlandtaler“ verliehen bekam, über Heimat als Amputationsschmerz und Leideform, als Liebe ohne Bodenhaftung und ewiges Krähwinkel, als nostalgischer Reflex und lebensgefährliches ideologisches Konzept, aber auch als humanistische Zielvorstellung und utopische Glücksverheißung. Und schließlich schreibt er über seine Heimat: den Niederrhein. Der wird seit einigen Jahren - nicht nur aus touristischen Vermarktungsgründen - zu einer Region stilisiert, die "Heimat" sein soll. Ein gemeinsamer territorialer Lebensraum zur Schaffung eines kollektiven Selbstbildes anhand von Kollektiveigenschaften der Bewohner, die trotz aller offensichtlichen Unterschiede, geglaubt und öffentlich bekundet werden. Das führt sofort zu der Frage: Gibt es den Niederrhein überhaupt, oder haben wir es mit einer schon jahrhundertealten Landschaftssimulation zu tun?

Paul Eßer möchte mit seinen fundierten Gedanken und hintergründigen Geschichten über Heimat und die Region Niederrhein den Leser anregen, sich meinungsstark und kritisch in die aktuelle Diskussion über Heimat, Migration, Überfremdung etc. einzubringen, und ihm bei der Beantwortung der Frage helfen: Gibt es eine niederrheinische Identität, und kann sie meine Heimat sein?


Informationen:

Heimat. Niederrhein

Verlag: BoD 2020

Preis: 17,90 €    auch als E-Book (7,99 €)

148 Seiten, mit farbigen Abb., Hardcover

ISBN-13: 9783750470804

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Rezensionen:

Paul Eßers aktuelles Buch über den Niederrhein enthält hintergründige Geschichten über eine Gegend, die eher aus touristischen denn aus historischen Gründen zu einer Region erklärt wurde. Provokant fragt Eßer: gibt es DEN Niederrhein überhaupt? Als ‚Sprachkundiger und zugleich Eingeborener‘ setzt er sich kritisch mit der Region und dem Begriff ‚Heimat‘ auseinander. Er plädiert für Integration statt Ausgrenzung und verachtet die Heimattümelei rechter Kreise. Er schreibt zuweilen bissig, aber nie verbissen. So z. B. das Kapitel über die Wahl der Straßennamen in Mönchengladbach, die er politisch deutet und hinterfragt, warum es eine Hindenburg- und Blücher-, aber keine Ossietzky-Straße gibt. Lehrreich, doch nie belehrend, kommen seine Texte daher. Eher augenzwinkernd als mit Zeigefinger, aber zugleich tiefgründiger als bei Hüsch oder Beikircher.

Jörg entdeckte das Buch in der örtlichen Buchhandlung und erinnerte sich sofort an den Autor, den er zu seinem Buch ‚Niederrhein - Gedanken und Geschichten‘ (Greven-Verlag 2009) und zum Niederrhein-Quiz (Grupello-Verlag 2008) für das Radio interviewt hatte. Keine Frage, dass wir auch das neue Buch vorstellen wollten und sogleich um ein Rezensionsexemplar baten. Das persönlich signierte Buch erreichte uns per Post am 20. August. Jetzt haben wir von seinem Sohn erfahren, dass Dr. Paul Eßer an eben diesem Tag im Alter von 81 Jahren verstorben ist. Wir trauern mit seiner Familie und denken gerne an diesen engagierten, klugen und zugleich humorvollen Menschen zurück. Ein interessanter Gesprächspartner, der schon als junger Mann fast alle Länder Europas, aber auch Kuba, Mexiko und Nicaragua bereiste und doch ‚seinen‘ Niederrhein so sehr liebte. Der sich zeitlebens politisch engagierte und seinen Freund Günter Wallraff bei Recherchen und Aktionen unterstützte.

www.instagram.com/Niersleser                5. September 2020


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