Inhalt:

Hier erzählt jemand, weil er etwas erlebt hat, endlich einmal schreibt jemand nicht mehr- wie es hierzulande Mode geworden ist - aus Realitätsverlust und als Lebensersatz. Hier liest man wieder mit Neugier und Spannung, weil man spürt: der Autor macht nicht große Worte, wo er nichts zu sagen hat.

Paul Eßer, Urenkel von Jack London, Halbbruder Kerouacs und sicher auch ein bißchen der illegitime Sohn Hemingways mit einer gelungenen Portion Vatermord an Bukowski - das Kraftmeierische und angestrengt Obszöne geht ihm bei der Darstellung des Außenseiterlebens so ganz ab - Paul Eßer vermittelt den Eindruck, daß die Begegnungen, von denen er erzählt, stattgefunden haben, daß sie ihn betroffen haben: Schockerlebnisse und Bekenntnisse, merk-würdige Begebenheiten aus dem Leben eines kosmopolitischen Streuners, der in seinen Erzählungen auf der Suche danach ist - oft in abgelegenen Winkeln der Welt -, Spuren der letzten noch nicht gleichgeschalteten Zeitgenossen zu entdecken, und dem es immer wieder gelingt, in gestochen scharfen Momentaufnahmen Menschen zu porträtieren, die aus dem Tritt geraten sind.

Wie gut, daß hier ein Autor draufloserzählt und nicht dem falschen Ehrgeiz erliegt, unbedingt und kalkuliert Literatur machen zu wollen.

Günter Wallraff


Informationen:

Traumfrauen. Über die Liebe und ihre Nebenkosten. Kurzgeschichten

Sassafras, Krefeld 1993.

96 S.

ISBN: 3922690483

(derzeit vergriffen)


Presse:

 


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