Inhalt:

In Deutschland bemühte sich J.E. Berendt um die Etablierung der neuen Kunstform Jazz und Lyrik. Gemeinsam mit modernen Poeten wie Peter Rühmkorf produzierte er Radio-Sendungen und LP’s, wobei zunächst nur zu schon vorliegenden Aufnahmen gesprochen wurde. Erst später sensibilisierte Berendt Dichter und Musiker füreinander und spielte Jazz und Lyrik live ein.

Eßers „Gedichte“ mit Musik in einen  Zusammenklang zu bringen, ist schwieriger, als es bei den meisten traditionellen Gedichten der Fall ist. Der Autor produziert Gedankenlyrik. Mit Vorliebe notiert er Assoziogramme, die durchsetzt sind mit denkanstößigen Verbalkapriolen, gleichsam ratioaktiv. Sie bündeln und reflektieren, was das Leben an Wunderbarem und Hundsgemeinem so bietet. Eine solche Schreibe kann lustvoll, spannend und unterhaltsam sein, auch wenn sie sich - lyrikunüblich - an den Kopf wendet. Eßer:  “Hauptsache formal klar und hart am Puls der Zeit!”

Soviele Instrumente dem zur Verfügung stehen, der seiner Musikalität Ausdruck verleihen will, soviele lyrische Sprechweisen bieten sich dem an, der seinen Stimmungen und Gedanken mit den Mitteln der Sprache aus sich heraus helfen will. Die lassen ihn mal als bildbesoffenen Metaphoriker die Welt illustrieren, mal als intellektuelles Seziermesser ihre Geheimnisse offenlegen.

Definitionsprobleme des Kulturbetriebes interessieren Eßer nicht: “Ob das, was wir tun, Kunst ist, weiß ich nicht, denn die Kunst findet, wenn überhaupt, im Ohr des Zuhörers statt.”

Sensibel treten die Jazzer mit den Texten in einen Dialog, wobei die Musik keineswegs als akustisches Schnörkelwerk um die Gedichte herumgebaut wird, sie fließt vielmehr in sie hinein, trägt das gesprochene Wort oder setzt Kontra-Punkte. Die künstlerische Gesamtkonzeption der CD macht es notwendig, einige Musikstücke ohne Text und einige Texte ohne Musik vorzutragen, so daß der Hörer zwischen Phasen meditativer Entspannung und hochkonzentrierter Rezeption wechseln kann.

Informationen:

Schinderkarren mit Büffet. Jazz und Lyrik. Konnex, Berlin 2001 (KCD 5108)

 

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Paul Eßer (Sprecher)
Gerd Dudek (sax)
Jiri Stivin (as,fl,cl)
Ali Haurand (b)

Produzent: Torsten Eßer
 
Preis: 12,00 Euro

Musiker:

Der Saxophonist Gerd Dudek (1938) spielte nach seinem Musikstudium in den Bands von Kurt Edelhagen, Don Cherry und Wolfgang Dauner. Als Mitglied des Quartetts von Albert Mangelsdorff und der German All Stars unternahm er Tourneen nach Südamerika und Asien. 1976 war er einer der Mitbegründer des European Jazz Quintetts/Ensembles mit dem er durch Japan, Kanada und ganz Europa tourte. Er ist nach wie vor Bandmitglied im Globe Unity und im Contemporary Orchestra Alexander von Schlippenbachs.

Ali Haurand (1943), Bassist, ist der Motor des European Jazz Ensembles, das er 1976 mit Alan Skidmore und Gerd Dudek ins Leben rief. Er studierte an der Folkwangschule in Essen Musik und gründete 1968 die Gruppe Third Eye. Er war Mitglied des George Maycock Trios und ging auf Tournee mit Philly Joe Jones, Ben Webster, Don Byas, Bobby Jones, John Handy und Wilton Gaynair. Heute spielt er im European Jazz Ensemble mit Musikern wie Joachim Kühn, Charlie Mariano, Daniel Humair oder Enrico Rava zusammen. Über 40 Platten und CDs machten ihn international bekannt.

Jiri Stivins Instrumentenpalette - Flöten, Klarinette, Saxophon - ist so vielseitig wie sein musikalisches Spektrum. Der 1942 in Prag geborene Jazzmusiker interpretierte Barockmusik und zeitgenössische Musik, arbeitete aber auch mit Rockgruppen zusammen. Er studierte u.a. an der Royal Academy of London und spielte mit Jan Hammer, Rudolf Dasek und in verschiedenen tschechoslowakischen Kammermusik-orchestern. Seit 1992 ist er Mitglied des European Jazz Ensembles.

 

Presse:

  ...musikalisch bringt die Aufnahme [...] Partner zusammen, die
mit der verbildlichten, in Musik verwandelten Sprache hervorragend umgehen
können. So entsteht ein kreativer Austausch mit dem gesprochenen Wort, der
dessen Aussagekraft in neue musikalische Formen umsetzt...

(Jazzpodium 10/ 2002)

... das ist Gedankenlyrik, die reflektiert, was das Leben an
Wunderbarem und Hundsgemeinen so bietet. Eßers Texte sind "keine Objekte der
Bezauberung, sondern Instrumente, die einem Diamanten gleich die Oberfläche
unserer Wirklichkeit einritzen und so Einblicke ermöglichen...

(Rheinische Post)


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